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Kirschblüten im Weltall: Wie Deutschland mithilft, einen Asteroiden umzuleiten

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Kirschblüten im Weltall: Wie Deutschland mithilft, einen Asteroiden umzuleiten

Photo: Original montage by Emily Lakdawalla / The Planetary Society. Updated 2022 by The Planetary Society. Data from NASA / JPL / JHUAPL / SwRI / ESA / OSIRIS / ISAS / JAXA / Russian Academy of Sciences / UMD / China National Space Agency / Goddard / Uni

Stell dir vor, du willst einen Asteroiden nicht sprengen, sondern ihm nur einen kleinen Schubs geben – so wie man einem Nachbarn auf dem Fahrradparkplatz sanft am Lenker anfasst, damit er nicht in die Hecke fährt. Genau das ist die Grundidee der Planetaren Verteidigung. Und nein, sie hat nichts mit Bruce Willis zu tun, dafür aber überraschend viel mit Kirschblüten. Dazu gleich mehr.

Der erste Schubs der Menschheit

Im September 2022 tat die NASA etwas, das die Menschheit bisher noch nie getan hatte: Sie veränderte absichtlich die Bahn eines Himmelskörpers. Die Sonde DART raste mit rund 22.000 km/h in den Monden des Asteroiden Didymos, den Dimorphos – und verschob dessen Umlaufzeit um die erwarteten Minuten. Ein winziger Effekt, ein riesiger Beweis: Es geht. Wir können einem Asteroiden ausweichen lassen.

Aber ein Experiment ohne Kontrolle ist nur die halbe Wahrheit. Deshalb schickte die Europäische Weltraumorganisation ESA 2024 die Folgemission Hera los, die 2026 bei Didymos eintreffen soll und den Einschlagkrater sowie die genaue Massenverteilung des Asteroiden untersucht. Erst diese Daten machen aus dem Schuss ins Blaue eine verlässliche Blaupause.

Was Kirschen mit Asteroiden zu tun haben

Und hier kommt die Kirschblüte ins Spiel: Ein Team um Forschende des Museums für Naturkunde Berlin und der FU Berlin nutzte Aufnahmen von Dimorphos, um die Oberfläche des Asteroiden zu vermessen – Stein für Stein. Die Korngrößenverteilung der Gesteinsbrocken erinnerte die Wissenschaftler:innen an verstreute Kirschblütenblätter: flach, leicht, überall verstreut. Klingt poetisch, ist aber harte Arbeit: Aus solchen Analysen lässt sich ableiten, wie viel Material beim Einschlag herausgeschleudert wurde – und dieser "Rückstoß" ist entscheidend, denn er verstärkt den Schub der Sonde oft mehr, als reine Physik ohne Oberflächendaten vermuten ließe.

Deutsche Planetenforscher:innen sind also keine Zuschauer, sondern Mitspieler in dieser Disziplin. Gruppen am DLR in Berlin-Adlershof und an der Universität Bern (na ja, fast Nachbarn) modellieren seit Jahren, wie Asteroiden auf Kollisionen reagieren – ob sie zerbrechen, wegfliegen oder sich wie eine lockere Sandhaufen-Struktur verhalten. Genau diese Frage ist existenziell: Ein Asteroid, der wie ein Sandhaufen aufgebaut ist, schluckt einen Einschlag ganz anders als ein fester Fels.

Der Ernstfall: Was passiert, wenn's ernst wird

Angenommen, eines Tages entdeckt ein Teleskop einen Asteroiden mit unangenehmer Bahnprognose. Was dann?

Erstens: Zeit. Die meisten gefährlichen Objekte werden heute Jahre oder Jahrzehnte im Voraus entdeckt. Projekte wie das ESA-Programm "Planetary Defence Office" und zukünftige Suchteleskope wie der Vera-Rubin-Observatorium-Survey in Chile melden immer mehr Objekte, lange bevor sie gefährlich werden könnten.

Zweitens: Der Schubs. Eine Kinetic-Impactor-Mission nach DART-Vorbild wäre die erste Wahl – vorausgesetzt, der Asteroid ist klein genug und wir haben genug Vorlaufzeit.

Drittens: Falls nichts mehr geht. Bei sehr kurzer Vorwarnzeit bliebe nur die Evakuierung der betroffenen Region. Dafür gibt es inzwischen internationale Übungen, an denen auch deutsche Katastrophenschutzbehörden und das DLR teilnehmen. Wer wissen will, wie so eine Konferenz abläuft: viel Kaffee, viele Bahndiagramme, erstaunlich wenig Panik.

Und was ist mit Deutschland konkret?

Deutschland ist über die ESA an Hera beteiligt und stellt mit dem DLR erhebliche Kompetenz – von der Navigation im Schwerefeld eines Mini-Himmelskörpers bis zur Datenanalyse. Hinzu kommt die wissenschaftliche Auswertung: Deutsche Institute gehören zu den weltweit führenden, wenn es darum geht, aus Bruchstücken von Meteoriten die innere Struktur von Asteroiden zu rekonstruieren.

Klingt nach Randnotiz? Ist es nicht. Denn die eigentliche Botschaft der Planetaren Verteidigung ist eine andere als im Kino: Es geht nicht um Helden, sondern um Vorfreude auf Zahlen, Bahndaten und internationale Kooperation. Die Menschheit hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Fähigkeit, eine kosmische Kollision nicht nur zu vorhersehen, sondern aktiv zu verhindern.

Ein Gedanke zum Schluss

Der nächste große Asteroiden-Test steht quasi vor der Tür: Heras Ankunft bei Didymos 2026 wird zeigen, wie genau unser Schubs gewirkt hat. Bis dahin gilt: Der Himmel ist kein Ort der Angst, sondern einer, den wir zunehmend verstehen. Und wer weiß – vielleicht siehst du beim nächsten Spaziergang unter blühenden Kirschbäumen die Welt ein bisschen mehr wie ein Planetenforscher: als eine Oberfläche, auf der selbst winzige Partikel eine Geschichte erzählen.

Wenn du mehr über Asteroiden, Missionen und den Himmel über Deutschland erfahren willst, wirf regelmäßig einen Blick hier auf Hallo Kosmo. Der Kosmos wartet nicht – aber er gibt uns Zeit, uns vorzubereiten.

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