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Lauschangriff auf die Sonne: Wie Forscher dem Vakuum Klänge abtrotzen

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Lauschangriff auf die Sonne: Wie Forscher dem Vakuum Klänge abtrotzen

Photo: NASA Goddard Space Flight Center, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Wer als Kind schon mal eine Weltraumdoku gesehen hat, kennt die Regel: Im All ist es still. Kein Knallen, kein Zischen, wenn eine Rakete an der Kamera vorbeirauscht – Hollywood lässt es sich trotzdem ständig anders erzählen. Aber stimmt dieses Schweigen überhaupt? Und wenn ja, warum können wir dann trotzdem 'Klänge' aus dem Weltraum hören, die Forscherinnen und Forscher immer wieder präsentieren? Zeit, mal genauer hinzuhören.

Schall braucht Anlauf: Warum Vakuum so gemein ist

Schall ist im Grunde etwas sehr Banales: Materie, die wackelt. Ein Lautsprecher drückt Luftmoleküle zusammen, die Druckwelle springt von Teilchen zu Teilchen bis ans Trommelfell – fertig ist der Ton. Im Weltall fehlt genau dieser Botendienst. Dort herrscht kein perfektes Nichts, aber so gut wie keine Materie, die die Schwingung weiterreichen könnte. Im Schnitt finden sich dort nur wenige Atome pro Kubikzentimeter, auf der Erde sind es zig Trillionen.

Dazu kommt: Ohne Medium breiten sich Druckschwankungen schlicht nicht aus. Ein Explose im Weltraum wäre für uns daher nicht nur leise, sondern wahrnehmungslos. Die Stille ist also keine Frage der Lautstärke, sondern der Physik.

Die Sonne hat trotzdem etwas zu sagen

Jetzt wird's spannend: Die Sonne selbst ist ein gigantisches Klanginstrument. In ihrem Inneren brodelt Konvektion – heiße Plasmapakete steigen auf, kühlen ab, sinken wieder herab. Diese Bewegungen erzeugen Druckschwingungen, die durch den Stern laufen und ihn zum Schwingen bringen. Das Fachwort dafür ist Helioseismologie, also quasi 'Erdbebenforschung' – nur eben an der Sonne.

Die NASA-Sonde SOHO und das Solar Dynamics Observatory zeichnen diese Schwingungen seit Jahren auf. Weil die echten Frequenzen im Bereich von wenigen Millihertz liegen – also weit unter unserem Hörvermögen –, versetzen Wissenschaftler sie in hörbare Bereiche. Heraus kommt ein tiefes, hypnotisches Murmeln, das man tatsächlich online anhören kann. Manche nennen es 'Sonore der Sonne', andere einfach Gänsehaut.

Auch die ESA-Mission Solar Orbiter, an der Deutschland maßgeblich beteiligt ist, misst Schwankungen im Sonnenwind und im Magnetfeld. Aus solchen Daten lassen sich sogenannte Sonifikationen erzeugen: Physik, übersetzt in Töne. Streng genommen sind das keine Schallwellen mehr, sondern hörbar gemachte Messreihen – aber die Dramatik eines Sonneneruptions-Ausbruchs bekommt man so durchaus zu spüren.

Wo es im All doch klingt

Es gibt sogar Orte im Kosmos, an denen Schall echtes Schall ist. Der Perseus-Galaxienhaufe zum Beispiel: In seinem Zentrum pumpt ein Schwarzes Loch Wellen durch das dichte Gas, das den Haufe erfüllt. Diese Wellen sind echte Druckwellen – nur eben mit einer so tiefen Frequenz, dass sie um dutzende Oktaven unter jedes Klavier-C liegen. Forschende haben sie ebenfalls hörbar gemacht, und das Ergebnis klingt beängstigend wie ein Soundtrack aus einem Sci-Fi-Film der 80er.

Und auf dem Mars? Dort ist zwar kaum Luft, aber immerhin etwas – und so konnten die Mikrofone der NASA-Sonde InSight 2021 tatsächlich ein Meteoriteneinschlagen aufnehmen. Das erste Mal, dass Menschheit ein 'Knall' auf einem anderen Planeten gehört hat. Klang wie ein Plopp, übrigens.

Sterne hören von der heimischen Couch

Warum erzählen wir das alles? Weil sich das Weltraum-Wetter perfekt auf dem Sofa konsumieren lässt – ideal für die nächsten verregneten Abende, wenn die Wolkendecke über Berlin oder Hamburg mal wieder alles zu macht.

Ein paar Tipps fürs Ohrenprogramm:

Still ist relativ

Am Ende bleibt festzuhalten: Das Weltall ist kein stummer Ort, sondern ein leiser. Die Information ist da – Schwingungen, Druckschwingungen, Magnetfeld-Turbulenzen –, nur der Transport zu unseren Ohren scheitert am leeren Raum. Die Forschung hat sich das zunutze gemacht und übersetzt, was Teleskope und Sonden messen, in Klänge. Und ehrlich: Eine Sonne, die tief und monoton vor sich hin brummt, während sie uns mit Energie versorgt – das ist vielleicht das schönste Geräusch, das wir nie hören werden.

Also, nächste Wolkenfront vor dem Fenster? Kopfhörer auf, Sonnen-Klangdatei an. Dein Kosmos hat einiges zu erzählen.

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