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Menüplan für den Mond: Warum Ketchup im Weltall tabu ist und Kartoffeln Karriere machen

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Menüplan für den Mond: Warum Ketchup im Weltall tabu ist und Kartoffeln Karriere machen

Photo: NASA, Public domain, via Wikimedia Commons

Wer zum ersten Mal sieht, wie Astronauten auf der ISS essen, ist meist zuerst enttäuscht. Keine futuristischen Nährwürfel, keine silbernen Tuben wie in alten Filmen – sondern Lachs aus der Aluminiumverpackung, Tortillas und gelegentlich eine Tafel Schokolade. Das Essen im Weltall ist erstaunlich bodenständig. Nur eben mit ganz eigenen Regeln.

Kein Brot, kein Krümel, kein Spaß

Die wichtigste Regel an Bord klingt banal, ist aber existenziell: nichts, was bröselt. Krümel schweben im Mikrogravitation durch die Module, gelangen in Geräte, in Augen, in die Atemwege. Deshalb gibt es auf der ISS kein Brot, wie die NASA-Astronautin Sandra Magnus einmal in ihrem berühmten Essens-Tagebuch beschrieb. Stattdessen Tortillas – sie sind flexibel, haltbar und hinterlassen keine Spuren.

Auch Ketchup und ähnliche Saucen sind verboten, aus einem einfachen Grund: Flüssigkeiten halten sich nicht in Flaschen, sondern verteilen sich als schwebende Kugeln im Raum. Gewürze gibt es deshalb nur in flüssiger Form – Salz und Pfeffer sind in Wasser gelöst. Wer im Weltall nachwürzen will, spritzt sein Gewürz aus einer kleinen Flasche auf die Mahlzeit.

Geschmackssache: Warum alles im All fad schmeckt

Dass Astronauten von scharfen Saucen träumen und das Essen an Bord oft als fad empfinden, hat einen physiologischen Grund. In der Schwerelosigkeit staut sich Körperflüssigkeit im Kopf – die Nasenschleimhäute schwellen an, der Geruchssinn lässt nach. Und da Geschmack zu einem großen Teil über die Nase funktioniert, schmeckt ein Weltraumgericht ungefähr so intensiv wie ein Schnupfen-Feinkostmenü.

Dazu kommt der emotionale Faktor. In Interviews berichten Crews immer wieder, dass sie vor allem eines vermissen: frisches Obst, knackiges Gemüse, ein Brot mit Käse. Genau deshalb packen Versorgungsschiffe regelmäßig Äpfel und Zitronen ein – und genau deshalb sind die ersten Salatherzen aus der Veggie-Kammer der ISS ein kleiner Freudenfest-Moment.

Die deutsche Note im Weltraummenü

Auch deutsche Forscher mischen bei der Weltraumernährung kräftig mit. Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird daran gearbeitet, Lebensmittel für Langzeitmissionen zu optimieren – leicht, nährstoffdicht, jahrelang haltbar und trotzdem appetitlich. Denn für einen Flug zum Mars reicht die heutige ISS-Küche nicht mehr: Die Gerichte müssten mehrere Jahre überstehen, ohne Vitamine und Genuss einzubüßen.

Ein interessanter Nebenaspekt: Kartoffeln gelten als Weltraum-Kandidat Nummer eins. Sie wachsen schnell, liefern Kalorien, Kalium und lassen sich vielseitig verarbeiten – vom Püree bis zur Knolle aus dem Pflanzenreaktor. Was in der Schulspeisung belächelt wurde, könnte auf dem Mond zum Grundnahrungsmittel avancieren. Fast schon ein Grund, stolz zu sein.

Kochen auf der Mondstation

Mit der geplanten Mondstation im Rahmen des Artemis-Programms stellt sich die Frage neu: Was isst man eigentlich am Südpol des Mondes, wo Versorgungsschiffe selten vorbeikommen? Die Antwort der Forschung lautet zunehmend: so viel wie möglich selbst anbauen. Hydroponische Systeme, in denen Salat, Tomaten und Kartoffeln unter LED-Licht wachsen, werden derzeit intensiv getestet – auch, weil das Gärtnern nachweislich gut für die Psyche der Crew ist.

Und vielleicht wird dort sogar gekocht, statt nur zu erwärmen. Studien zu Langzeitisolationsexperimenten wie der Mars-500-Mission zeigen: Gemeinsames Essen und gemeinsames Kochen sind Doping für die Stimmung einer Besatzung. Ein einfaches Gericht, das alle zusammen zubereiten, kann in der Enge einer Mondstation mehr wert sein als jedes Vitaminpräparat.

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

Bleibt die Frage nach dem Kaugummi. Ja, Kaugummis fliegen mit – sie helfen gegen das Druckgefühl im Ohr und sind krümelfrei. Auch Kartoffelchips in Spezialverpackungen waren schon an Bord, wenn auch selten: Zu viel Salz und Fett sind bei geschwächtem Knochenstoffbau im Weltraum keine gute Idee.

Das Weltraumessen ist also weniger Science-Fiction als man denkt – und gleichzeitig ein ehrlicher Spiegel dessen, was Langzeitraumfahrt wirklich bedeutet: improvisieren, verzichten, Neues erfinden. Und wenn in ein paar Jahrzehnten jemand am Mond eine Knolle aus dem eigenen Anbaubeet erntet, dann wissen wir: Die Kartoffel hat es geschafft. Servus, Speisekartoffel – dein nächster Einsatzort ist der Kosmos.

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