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Exposé der anderen Art: Mond, Mars oder Orbitalstation – welche Wohnung im All hättest du genommen?

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Exposé der anderen Art: Mond, Mars oder Orbitalstation – welche Wohnung im All hättest du genommen?

Photo: NASA's Surveyor 3 lander, Public domain, via Wikimedia Commons

Wer gerade auf der Suche nach einer Wohnung ist, kennt das Prozedere: Exposé anklicken, Bilder bewundern, Beschreibung lesen – und dann entlarvt die Besichtigung den Schönwetter-Lügner von Makler. Im Sonnensystem läuft das prinzipiell nicht anders, nur dass dort die Mängel etwas dramatischer ausfallen. Zeit für einen ehrlichen Rundgang durch die drei begehrtesten Lagen jenseits der Erde.

Objekt 1: Der Mond – Stadtteil mit Aussicht, aber ohne Luft zum Durchatmen

Nur 384.400 Kilometer entfernt, das ist im kosmischen Maßstab quasi die Nachbarstadt. Der Mond punktet mit einer Laufzeit von rund drei Tagen, was für eine Umsiedlung ins All geradezu pendlerfreundlich ist. Die Aussicht? Reine Sache: Die Erde hängt dort als blaue Scheibe am Himmel und geht nie unter – zumindest nicht an der Vorderseite des Mondes.

Aber jetzt zum Kleingedruckten. Die Rotation ist an den Polen schön träge gekoppelt, das heißt: Wer am lunarischen Südpol in einen Kraterboden zieht, bekommt dort Sonnenschein quasi im Dauerdauerblick oder eben ewigen Schatten – und in diesen Schattenkammern liegt Wassereis, das spätere Siedler als Rohstoff nutzen könnten. Die Temperaturen schwanken an den tagnahen Äquatorlagen zwischen brütenden 120 Grad und minus 170. Ohne druckdichtes Gehäuse ist dort kein Kaffeetrinken.

Und dann der Staub. Der Regolith ist fein, scharfkantig und elektrisch aufgeladen – er kriecht in jede Dichtung und ist nachweislich gesundheitsschädlich, wie die Apollo-Astronauten am eigenen Leib erfahren mussten. Im Wohnungsdeutsch: Der Vormieter hat nicht sauber gemacht, und das wird auch nie besser.

Objekt 2: Der Mars – der Klassiker mit Imageproblem

Ja, der Mars ist das Objekt, das alle kennen und über das am meisten geredet wird. 225 Millionen Kilometer Entfernung, Anreise je nach Konstellation sechs bis neun Monate, Rückfahrkarte nur alle 26 Monate erhältlich. Wer dorthin zieht, zieht im Grunde fürs Leben um.

Die Fakten im Überblick: Die Schwerkraft beträgt rund 38 Prozent der irdischen, was Rückenbeschwerden zur Nebensache macht, aber den Knochen auf Dauer zusetzt. Die Atmosphäre ist mit unter einem Prozent des irdischen Drucks so dünn, dass flüssiges Wasser dort sofort verdampft. Und der Boden enthält Perchlorate – giftige Salze, die man erst mühsam rauswaschen müsste, bevor man dort Kartoffeln anpflanzt.

Dafür gibt es einen Tag, der mit knapp 24 Stunden und 37 Minuten fast irdisch klingelt – der einzige echte Komfort im ganzen Paket. Und die Staubstürme? Die legen zwar gelegentlich den ganzen Planeten lahm, aber bei dem Luftdruck fühlen sie sich eher an wie ein leichter Haartrockner als wie ein Orkan. Gefährlicher ist, was man nicht sieht: Die fehlende Magnetosphäre lässt die kosmische Strahlung ungehindert durch, und das über Jahre.

Objekt 3: Die Orbitalstation – Penthouse mit Dreh

Der dritte Kandidat ist konzeptionell der eleganteste: eine rotierende Station im Orbit, in der die Zentrifugalkraft eine Erdanziehung vortäuscht. Man schwebt nicht, man läuft am inneren Ring entlang. Nachbarn? Keine. Lärm? Außer dem eigenen Lebenserhaltungssystem – Ruhe.

Der Haken: Es gibt sie noch nicht in dieser Form. Was es gibt, ist die ISS, und die ist eher ein Labor als eine Wohnung. Energieversorgung wäre auf der Orbitalstation allerdings top – Solarpaneele liefern dort rund um die Uhr, solange man nicht im Erdschatten unterwegs ist. Und die Anreise? Mit wenigen Stunden Flugzeit zum Startplatz die kürzeste Commute des gesamten Portfolios.

Dafür lebt man buchstäblich in einer Dose: Ein Leck im falschen Modul, und die Party ist vorbei. Auch der Mikrometeoritenschauer ist keine Science-Fiction-Phrase, sondern Alltagsrisiko. Und der Ausblick, das muss man sagen, ist unschlagbar – 16 Sonnenuntergänge pro Tag inklusive.

Der ehrliche Vergleich am Ende der Besichtigungstour

Faktisch bleibt: Keines dieser Objekte ist momentan bewohnbar, und die Frage, ob der Mensch dort je dauerhaft leben wird, ist offen. Der Mond punktet mit Nähe und Wassereis, der Mars mit Tagesrhythmus und Ressourcen, der Orbit mit Sicht und Anbindung. Alle drei teilen sich aber dieselben Grundprobleme – Strahlung, fehlende Atmosphäre und die Tatsache, dass die Erde ein ziemlich schwer zu schlagendes Original ist.

Vielleicht ist der wahre Erkenntnisgewinn dieser Immobilienbesichtigung gar nicht die Traumwohnung im All, sondern der Blick zurück: Wir wohnen bereits am besten Ort des Sonnensystems, und die Einschätzung, wie besonders das ist, bekommt man erst, wenn man sich die Konkurrenz anschaut. Und falls du jetzt Lust auf echte Sterne hast: Die gehen auch vom Balkon aus – ganz ohne Exposé.

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